10 häufige Trage-Fragen

Babys haben von Geburt an Hauthunger. Sie wollen ihren Eltern ganz nah sein, getragen werden. Tragehilfen gibt es auf dem Markt in unterschiedlichen Ausführungen, Größen und Designs – als Trage-Anfänger kann einen diese Fülle ganz schön verunsichern. Auch das Tragen an sich wirft einige Fragen auf… Hier die 10 häufigsten Trage-Fragen und die passenden Antworten darauf.

Bursche im Tuch

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1. Ab welchem Alter darf man ein Baby tragen?

Ab dem ersten Tag. Tragetücher eignen sich, mit der richtigen Bindetechnik, bereits für die Allerkleinsten. Bei Tragehilfen verrät eine Alters- oder eine Gewichtsangabe, wann gestartet werden darf.

2. Bis zu welchem Alter können Kinder getragen werden?

Mit einem Jahr spätestens beginnt ein Kleinkind mobil zu werden und möchte seinem Bewegungsdrang nachgehen, zeitweise selbst laufen oder krabbeln. Grundsätzlich wird es aber auch immer wieder Tragezeiten einfordern – bis zum vierten Lebensjahr können Kinder mit der richtigen Bindetechnik oder Tragehilfe getragen werden. Meist werden die Kleinen erst vor dem Bauch, später auf der Hüfte und dann auf dem Rücken getragen. Die Tragelänge ist – wie das Stillen – individuell. Meine Tochter habe ich bis anderthalb Jahre mit dem Tragetuch auf dem Rücken getragen, meinen jüngsten Sohn mit knapp vier noch regelmäßig in einer manduca-Tragehilfe auf dem Rücken.

3. Bekommt man Rückenschmerzen, vom Tragen?

Das ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Dabei vermeidet richtiges Tragen Rückenschmerzen sogar und stärkt den Rücken zusätzlich. Deshalb ist es unheimlich wichtig, von Anfang an gut beraten zu sein und mit dem Tragen schon kurz nach der Geburt zu beginnen (sodass sich das Gewicht langsam steigert und der Rücken nach und nach trainiert wird). Wer durch das Tragen Rückenschmerzen bekommt, sollte sich seine Tragehilfe oder Bindetechnik noch einmal kritisch ansehen oder direkt Rat bei einer professionellen Trageberaterin holen.

4. Schadet das Tragen Babys Rücken und Hüfte?

Auch hier gilt: Mit der Richtigen Bindetechnik oder einer ergonomischen Tragehilfe bewirkt das Tragen mehr Positives, als dass es dem Baby schaden könnte. Die Wirbelsäule von Babys ist zu Beginn gerundet und streckt sich erst im ersten Lebensjahr. Ein Baby lange Zeit gerade hinzulegen kann ihm im Zweifel mehr schaden, als ergonomisches Tragen. Auch profitiert die Hüftentwicklung von richtigem Tragen. Die „Anhock-Spreiz-Haltung“ kann sogar Hüftdysplasien vorbeugen.

5. Bekommen Babys in Tragetüchern genug Luft?

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Sauerstoffsättigung im Blut getragener Babys ebenso hoch ist, wie bei nicht getragenen Babys. Sinkt diese Sättigung im Blut, steigt zeitgleich der Kohlendioxidgehalt, was wiederum eine Aufwachreaktion verursacht. Babys sind zudem von Geburt an in der Lage, den Kopf zu drehen. Der Herzschlag der tragenden Person sowie deren gleichmäßiger Atemrhythmus können Babys sogar helfen, selbst eine gleichmäßige Atmung zu entwickeln. Gerade frühgeborene Babys profitieren davon sehr, weshalb in vielen Krankenhäusern die sogenannte Känguru-Methode angeboten wird, bei der zu früh geborene Babys zeitweise auf die Brust der Eltern gelegt werden. Dadurch wird eine kontinuierliche Zunahme der Sauerstoffsättigung im Blut – bereits nach wenigen Minuten beobachtet.

6. Ist Babys im Sommer im Tragetuch nicht zu warm und im Winter zu kalt?

Grundsätzlich können Babys das ganze Jahr über und auch im Sommer-Urlaub getragen werden. Zu achten ist in den warmen Monaten auf eine dünne Kleidung und eine Bindetechnik, bei der möglichst wenig Stoff um den Körper gebunden wird (sonst kann es auch der tragenden Person schnell zu warm werden). Im Winter kann das Baby unter der Jacke getragen werden. Es gibt zu diesem Zweck extra gefertigte Tragejacken – die sowohl das Tragen vor dem Bauch, als auch auf dem Rücken ermöglichen.

7. Verwöhne ich mein Baby zu sehr, wenn ich es ständig trage?

Babys und Kleinkinder kann man gar nicht zu viel mit Liebe, Nähe und Geborgenheit überschütten. Sie brauchen das sogar für eine gesunde Entwicklung. Dass man ein Baby zu sehr verwöhnt, es ruhig auch mal schreien lassen kann oder es sich schon mit wenigen Wochen alleine beschäftigen kann, sind Ammen-Märchen. Wer sein Baby von Anfang an regelmäßig trägt, sorgt dafür, dass es einen angstfreien Start ins Leben hat, dadurch selbstbewusster und früher selbstständig wird.

8. Darf ich mit meinem Baby im Tragetuch/ der Tragehilfe Fahrrad fahren?

Eine ganz eindeutige Regelung gibt das Gesetz hierfür nicht her. Man bewegt sich in einer Art Grauzone, wenn man sein Baby während des Radfahrens trägt. Die Gefahren sind jedoch nicht unerheblich und sollten auf jeden Fall bedacht werden. Bei einem Sturz kann es passieren, dass man mit seinem eigenen Körpergewicht auf das Baby fällt, welches dabei schwer verletzt werden kann.

9. Lohnt sich die Anschaffung eines eigenen Tragetuchs?

Ein Tragetuch ist ein wahres Multitalent. Es kann nicht nur als Tragetuch verwendet werden, sondern auch als Hängematte, Picknickdecke, Schaukel und Schal. Es kann vier Jahre lang Verwendung als Tragehilfe und darüber hinaus als Alleskönner finden. Zwar können Tragetücher ausgeliehen werden – und das lohnt sich, wenn man das Tragen erstmal ausprobieren will – die Anschaffung eines eigenen Tuchs lohnt sich langfristig aber sicherlich. Es muss nicht unbedingt ein neues Tuch sein. Wer sich für ein Modell entschieden hat, kann im Internet oder auf Baby-Flohmärkten nach gebrauchten Tüchern stöbern. Wichtig ist, die Entscheidung für ein Modell nicht planlos oder rein nach Optik zu treffen. Eine Trageberaterin oder Hebamme kann bei der richtigen Wahl beratend zur Seite stehen.

10. Brauchen Trageeltern überhaupt einen Kinderwagen?

Diese Frage ist pauschal nicht beantwortet. Für viele ist ein Tragetuch/ eine Tragehilfe und ein Kinderwagen eine gute Kombination. Kinderwagen sind in vielen Situationen äußerst unpraktisch und unflexibel. Man benötigt einen großen Kofferraum, in Supermärkten sind die Regale oft zu eng beieinander, sodass man Probleme bekommt, im Alltag begegnen uns ständig Hindernisse, wie Treppenstufen, Bordsteine und ungepflasterte Wege, im Café oder Restaurant gibt es oft keinen Platz für Kinderwagen und auch im eigenen Haus weiß man manchmal nicht, wohin mit dem Teil (gerade, wenn man in einem Mehrfamilienhaus lebt). Gleichzeitig bietet ein Kinderwagen jedoch zusätzlichen Stauraum und die Möglichkeit, das Baby zwischendurch auch mal für einen Moment abzulegen.

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Über die Autorin ()

Rebecca Schwab ist ausgebildete Online-Redakteurin, dreifache Mutter und Autorin von GreenFamily.de. Mit ihren Kindern und Hündin Bella lebt sie in Lübeck.

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