Bonding nach dem Kaiserschnitt

101kaiserschnittVor kurzem hat mich eine werdende Mutter angeschrieben und gefragt, wie Bonding nach einem Kaiserschnitt funktioniert. In Deutschland kommt jedes dritte Kind auf diese Art zur Welt. Viele Kliniken bieten ihren Patienten inzwischen das sogenannte „intraoperative Bonding“, vereinfacht gesagt „Kuscheln im OP-Saal“ an.

 

Was genau ist das?

Nach einer spontanen Entbindung legt die Hebamme das Neugeborene (wenn es keine Komplikationen gab) direkt auf den nackten Oberkörper der frisch gebackenen Mutter. Der intensive Hautkontakt stärkt die Mutter-Kind-Bindung, festigt die Familienfindung und ist förderlich für die Milchbildung. Lange Zeit war dieses „Bonding“ nach einem Kaiserschnitt nicht üblich. Das Kind wurde seinen Eltern lediglich kurz, in Tüchern gewickelt, gezeigt und dann in den Kreißsaal verbracht, wo es weiter versorgt wurde. Das „intraoperative Bonding“ ermöglicht Eltern und Baby ein angenehmeres Geburtserlebnis. Bereits im OP-Saal wird zum ersten Mal gekuschelt.

 

Warum ist es so sinnvoll?

Neben den oben bereits beschriebenen Punkten bietet der frühe Hautkontakt im Allgemeinen und somit auch das „intraoperative Bonding“ eine Menge weiterer Vorteile*:

  • Schnellere Erholung vom Geburtsstress
  • Schnellere Kreislaufumstellung des Neugeborenen
  • Höhere Körpertemperatur des Neugeborenen (ca. 0,15 Grad Celsius)
  • Bessere (periphere) Durchblutung
  • Erleichterung der Anpassung an die Außenwelt
  • Beruhigung des Neugeborenen
  • Deutlich reduzierte Schreidauer in den ersten Stunden nach der Geburt
  • Ruhigerer Schlaf des Neugeborenen
  • Erleichterung des ersten Stillens (bessere Saugtechnik)
  • Deutlicher Verlängerung der Gesamtstillzeit
  • Bessere mütterliche Bindung
  • Erfüllung der mütterlichen Bedürfnisse
  • Erhöhte Aufmerksamkeit der Mutter für die Bedürfnisse des Kindes
  • Verminderung der Schmerzwahrnehmung bei invasiven Eingriffen, wie z.B. Blutentnahme
  • Verminderung der OP-Nebenwirkungen bei der Mutter (wie Zittern, Unruhe, Nichtspüren der Beine)

 

Wie funktioniert das?

Die geburtsbegleitende Hebamme begleitet die werdenden Eltern in den OP-Saal. Hat das OP-Team alles vorbereitet, nimmt der werdende Vater am kopfseitig neben seiner Partnerin Platz. Während der OP kann er ihr auf diese Weise beistehen, gut zureden, sie streicheln und beruhigen. Nach wenigen Minuten ist das Neugeborene in der Regel entbunden. Es wird in Tücher gewickelt und die Hebamme zeigt den Eltern ihr Baby kurz, ehe sie es in einem beheizten Nebenraum zur kinderärztlichen Erstuntersuchung bringt. Spricht nach diesem ersten Check nichts dagegen, bringt die Hebamme das Neugeborene anschließend zurück in den OP-Saal und legt es der Mutter auf den Oberkörper. Hierbei wird auf einen direkten Hautkontakt geachtet. Eine Thermodecke schützt Mutter und Kind vor Unterkühlung. Die Kuschelzeit endet mit dem Kaiserschnitt (oder auf Wunsch früher, wenn sich die Mutter beispielsweise nicht danach fühlt). Nach der OP begleitet die Hebamme die junge Familie in den Kreißsaal, wo das erste Stillen folgt und die Kuschelphase weitergehen darf.

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Über die Autorin ()

Rebecca Schwab ist ausgebildete Online-Redakteurin, dreifache Mutter und Autorin von GreenFamily.de. Mit ihren Kindern und Hündin Bella lebt sie in Lübeck.

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