Der Selbstversuch: Ab heute ohne Fernseher

War es Schicksal, dass unser Sat-Kabel den Geist aufgegeben hat oder doch Faulheit, dass wir uns kein neues besorgt haben? Ich weiß es nicht. Aber mit dem Tag, an dem mir das ewige Richten des Kabels und das Wackelbild auf der Flimmerkiste zu nervig wurden, wurde eine TV-freie Zeit eingeläutet.

Kind Fernseher

Seit vier Monaten leben wir nun ohne Fernseher – und der Beschluss steht fest: Es wird kein neues Kabel gekauft. Hätte man mich noch vor einem halben Jahr zu meinem Fernsehkonsum befragt, hätte ich geantwortet: „Ich schaue täglich fern!“ – meine Kinder durften immerhin am Wochenende abends eine Sendung sehen.

Bye bye, „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“!

Wir haben nie zu der Fraktion gehört, die gleich nach dem Aufstehen durch die Programme zappt, um dann beim „Frühstücksfernsehen“ zu verharren. Aber zu den Waldorf geprägten „Anti-Guckern“ haben wir uns auch nicht gezählt. Am Abend habe ich zehn Jahre lang eine Seifenoper angeschaut und jeden Sonntag gemeinsam mit meinem Mann den „Tatort“ oder, wenn der nicht kam, eine Alternative. Dass wir uns abends gemeinsam an den Tisch gesetzt und ein Spiel gespielt haben, ist eher selten vorgekommen.

Nun war das Kabel also durch unerklärliche Gründe kaputt. Die ersten drei Wochen haben wir noch probiert, das Wackelbild zu korrigieren – das Kabel immer wieder hin und her gedreht. Stets einer vor dem Fernseher, der „Stopp! So ist gut. Nein, jetzt wackelt es wieder“, gerufen hat. Irgendwann hatten wir einfach die Nase voll, von diesem nervigen Abendprogramm und haben beschlossen, den Flimmerkasten auszulassen.

Der erste Monat ist vorbei

Der erste Monat ist wie im Flug vergangen – und keiner hat den Fernseher vermisst. Monat zwei hat uns fast ein wenig stolz gemacht. In Monat drei dann hat mich die Sehnsucht nach meiner Seifenoper überkommen und ich habe im Netz die Inhaltszusammenfassungen der letzten Wochen gelesen. Dabei habe ich schnell bemerkt: Es ist doch immer das Gleiche, was da passiert. Selbst, wenn ich fünf Jahre pausieren würde, käme ich schnell wieder mit den Geschehnissen zurecht.

 

EDIT: Fünf Jahre ohne Fernseher

Diesen Blogbeitrag habe ich aus dem Archiv gefischt. Er ist vor fünf Jahren entstanden. In der Zwischenzeit bin ich umgezogen und für ein halbes Jahr waren wir wieder Fernsehgucker. Bis das Schicksal sich erneut wieder eingemischt und diesmal nicht nur das Kabel, sondern direkt das ganze Gerät geschrottet hat.

Ein lauter Knall und unser Fernseher ist seinen Ehrentod gestorben. Das ist nun wiederum sechs Monate her und seitdem sind wir ein komplett fernsehfreier Haushalt. Meine Kinder sind inzwischen knapp 11, 9 und 6 Jahre alt und haben tatsächlich kein einziges Mal nach einem neuen Gerät gefragt.

Ab und zu schauen sie einen Kinderfilm auf dem Laptop – aber das ist eher die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Wir leben sehr glücklich ohne Fernseher und keiner von uns hat das Gefühl, etwas zu verpassen.

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Über die Autorin ()

Rebecca Schwab ist ausgebildete Online-Redakteurin, dreifache Mutter und Autorin von GreenFamily.de. Mit ihren Kindern und Hündin Bella lebt sie in Lübeck.

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