Ein Bett für alle – der Trend geht zum Familienbett

Immer mehr Eltern entscheiden sich für ein Familienbett, in dem neben den Eltern auch das Kind oder die Kinder in den Schlaf finden. Wir haben alle Infos rund um das Schlafen im Familienbett zusammengestellt und räumen mit Ammenmärchen auf.

Symbolbild Ein Bett für alle – der Trend geht zum Familienbett © Bildagentur PantherMedia ryanking999

Symbolbild Ein Bett für alle – der Trend geht zum Familienbett © Bildagentur PantherMedia ryanking999

Wer in sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird längst bemerkt haben, dass das Thema Familienbett von Eltern kontrovers diskutiert wird. Es gibt Befürworter und Gegner und dazwischen Eltern, die ihren Kindern in Ausnahmesituationen erlauben, im Elternschlafzimmer zu übernachten – etwa nach Albträumen oder bei Krankheit.

Es gibt kein Richtig und kein Falsch

Aus medizinischer und pädagogischer Sicht gibt es kein Richtig und kein Falsch und sowohl das eigene Bett als auch das Familienbett bringen Vor- und Nachteile mit sich, die jeder Einzelne für sich abwägen muss. Hier kann man keinen strengen Regeln folgen, sondern muss auf das eigene Bauchgefühl vertrauen und die Bedürfnisse aller Beteiligten ernst nehmen.

Werden sich Eltern bei diesem Thema nicht einig, kann eine Familienberatung bei einer Beratungsstelle, wie pro familia oder Caritas helfen. Am besten sprechen Partner bereits vor der Geburt ihres Kindes über ihre individuellen Vorstellungen, um ernste Konflikte später zu vermeiden.

Familienbett: ein neuer Name für eine alte Gewohnheit

Hinter der Idee, die sich heute Familienbett nennt, steht eine uralte Gewohnheit. Bis vor etwa 200 Jahren war es auch in Deutschland völlig normal, dass die ganze Familie in einem Bett geschlafen hat. Dafür gab es keine spezielle Bezeichnung und keiner hat darüber Artikel geschrieben oder mit anderen Eltern darüber diskutiert. Was damals ganz normal war, ist heute eher exotisch und wird vor allem von Eltern praktiziert, die einen alternativen Erziehungsstil, wie „Attachment Parenting“ verfolgen oder Wert darauf legen, ihre Kinder möglichst „ursprünglich“ aufwachsen zu lassen. Für sie ist selbstverständlich, dass Babys die sichere Nähe von Mama und Papa brauchen, um entspannt in den Schlaf finden zu können.

Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Unicef ermutigen zum Familienbett

Grundsätzlich eignet sich ein Familienbett für alle, die ausreichend Platz haben und folgende Voraussetzungen erfüllen: Sie haben zuvor nicht geraucht und stehen nicht unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder Schlafmitteln. Darüber hinaus sollten Haustiere in den ersten Monaten nicht mit im Bett schlafen. Säuglinge schlafen am Besten in einem eigenen Schlafsack, da sie unter der Bettdecke schnell überhitzen können oder die Decke über das Gesicht rutschen könnte. Nach Auswertung sämtlicher Studien zum Thema sind die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Unicef zu dem Schluss gekommen, dass das Schlafen im Familienbett das Risiko für Plötzlichen Kindstod nicht erhöht. Im Gegenteil: Mütter, die neben ihrem Kind schlafen, stillen häufiger und länger – und Stillen senk das Risiko für Plötzlichen Kindstod um bis zu 50 Prozent.

Verunsicherung beim ersten Kind

Oftmals haben Eltern vor der Geburt ihres ersten Kindes noch Berührungsängste mit dem Familienbett, schließlich wollen sie alles richtig machen und in vielen Ratgebern und Magazinen wird strikt vom gemeinsamen Bett abgeraten. Ist das Baby dann erst einmal auf der Welt, spüren sie, welcher Weg für sie der Beste ist und viele entscheiden sich dann doch für ein Familienbett, das mit den Jahren und der Anzahl der Kinder immer weiter wächst. Im Internet findet man zahlreiche Bauanleitungen und Inspirationen, wenn man „Familienbett“ in der Bildersuche eingibt.

Vorurteile und Gerüchte rund ums Familienbett

Bei der Entscheidungsfindung sollten Eltern Informationen aus seriösen Quellen sammeln und nicht allen Gerüchten und Ammenmärchen glauben, die um die Themen Familienbett und Co-Sleeping kursieren. Erfahrungsberichte von anderen Eltern sind hilfreich, lassen sich aber nicht immer 1:1 auf das eigene Familienleben und die Schlafgewohnheiten übertragen. Viele Beiträge können schnell zu Verunsicherungen führen und einen von dem eigenen Wunsch abbringen, was letztlich niemanden glücklich macht.

Ein großes Vorurteil: Das Liebesleben der Eltern leidet, wenn alle in einem Bett schlafen. Erfahrene Familienbett-Schläfer können das allerdings nicht bestätigen – schließlich lassen sich Schäferstündchen auch auf andere Locations, wie das Wohnzimmer verlegen und manchmal wird genau dadurch das Liebesleben aufgewertet. Kuscheleinheiten gibt es, wenn das Kind nicht zwischen den Eltern liegt, sondern am Rand – geschützt durch ein Gitter oder eine ähnliche Schutzvorrichtung.

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