Geborgenheit von Julia Dibbern

Julia DibbertGeborgenheit  wie Kinder sie spüren und Eltern sie geben können. Der (Unter-)Titel zeigt bereits an, womit sich Artgerecht–Autorin Julia Dibbern auf 114 Seiten beschäftigt.

Sie leitet ein mit kleinen Geschichten über Mathis und Frida, miteinander befreundete Nachbarskinder, die das Buch begleiten, um das jeweils Beschriebene greifbar zu machen.

In bekannter Dibbern-Manier nähert sie sich dem Thema wissenschaftlich fundiert und mit den Aussagen auch unbekannterer Experten oder Experten aus vermeintlich anderen Bereichen untermalt. So wird zunächst der Aufbau des Gehirns in Kurzform erklärt und warum wir in welchen Situationen wie reagieren, die Rolle der Hormone dabei und diverse Studien und Forschungsergebnisse. Wie entsteht Urvertrauen ? Warum sind Berührung und Körperkontakt wichtig ? Die mittlerweile aus dem Baby-Sektor bekannten Fragen werden auch für die Größeren weitergedacht, Reaktionen verständlicher gemacht.

Dem Staubsaugervertreter, der mir über den Zaun etwas über sein Produkt zubrüllt, würde ich wohl nicht zuhören – Ähnliches erwarte ich aber, wenn ich mein Kind aus dem Spiel reiße, weil wir los zur Kita müssen. Der Mensch wackelt ohne Bindungen wie ein Baum ohne feste Wurzeln – wie entstehen diese ? Das tut man, wenn etwas im Ungleichgewicht ist ? Wie helfe ich meinem Kind, Frustration zu erleben? Dem Kind zuhören – Dibbern fordert dies und läßt konsequenterweise auch die Kinder selbst in ihrem Buch zu Wort kommen. Sie vergleicht die Kindheit mit einer Reise durch ein fernes Land ohne Navi und Reiseführer. In guter Artgerecht-Tradition folgt der Verweis auf das Bindungsdorf und der gleichsam wichtige wie heute angesichts der deutschen Kinderbetreuungssituation relativ unpopuläre Hinweise „In einem gewachsenen Bindungsdorf ist in der Regel keine längere Eingewöhnung notwendig, da das Kind die Betreuungspersonen bereits als vertrauenswürdig kennengelernt hat.“ So etwas ist relativ typisch für das ganze Buch: es kommt auf leisen Sohlen daher, enthält keine „revolutionären“ Aussagen wie Dibberns Erstling „Geborgene Babys“.

Es ist ein Buch zum zweimal lesen – viele der kleinen feinen Wichtigkeiten werden schnell überlesen, weil sie so selbstverständlich klingen. Für erfahrene Attachment-Parenting- / bindungsnahe Eltern steht in der Tat nicht viel Neues drin, aber für „diese Momente“ im Familienalltag, in denen mal wieder ein kleines Innehalten gut tut, sind die kleinen Episoden ebenfalls allemal schön und sinnvoll. Abgerundet wird das ganze durch passende Buchempfehlungen, ebenfalls fein und unaufgeregt, aber mit Tiefe, die beim gemeinsamen Geborgen-Fühlen beim Vorlesen garantiert gut tun.

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„Geborgenheit – wie Kinder sie spüren und Eltern sie geben können“ aus der Beltz-Reihe „Große Gefühle“, erschienen 2014 bei Beltz Nikolo.

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Über die Autorin ()

Lena Busch ist dreifache Mutter und ausgebildete Fachjournalistin. Als Journalistin und Bloggerin setzt sie sich für freie Bildung und ein bedürfnisorientiertes Familienleben ein.

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