Grünlippmuscheln: Öko-Superfood für die ganze Familie

Grünlippmuscheln (Perna Canaliculus) stammen aus den glasklaren, sauberen Gewässern des Südpazifiks rund um Neuseeland. Der Name bezieht sich auf die Farbe der Muscheln, deren Schalen an den Rändern grün gebändert sind, sodass sie einem Paar grüner Lippen ähneln. Die Forschung hat zahlreiche gesundheitliche Vorteile dieser Miesmuschelart untersucht, doch gilt sie auch als ökologisch besonders nachhaltige Meeresfrucht.

Neben ihrem attraktiven Aussehen werden Grünlippmuscheln vor allem für ihre Nährstoffdichte geschätzt, da sie reich an Mineralien, essenziellen Aminosäuren, Glykoproteinen und auch den wertvollen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA sind – von denen bekannt ist, dass sie eine breite Palette positiven Funktionen im Körper erfüllen.

Das Dilemma mit Fisch und Meeresfrüchten

Die meisten Menschen in den Industrieländern bemühen sich heutzutage, Lebensmittel auszuwählen, die die Umwelt möglichst wenig negativ beeinflussen sowie Körper, Geist und Seele vollwertig unterstützen und ernähren. Das bedeutet, lokal angebautes Bio-Obst und -Gemüse zu kaufen, verarbeitete und verpackte Lebensmittel zu vermeiden, biologisch angebaute Körner, Nüsse und Samen zu wählen und, wenn tierische Produkte konsumiert werden, diejenigen zu kaufen, die auf ethische und nachhaltige Weise geerntet bzw. gezüchtet wurden.

Hier kommt das Dilemma des Fischverzehrs ins Spiel. Fisch und Meeresfrüchte sind eine hervorragende Quelle für Omega-3-Fettsäuren sowie für Eiweiß und andere Nährstoffe. Sie können ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung sein. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (UNO) sind jedoch etwa 90 Prozent der Meeresfischpopulationen entweder vollständig ausgebeutet, überfischt oder erschöpft. Zur Liste der hoch gefährdeten Bestände gehören u. a. atlantischer Kabeljau, Schellfisch, atlantischer Lachs, Wittling, weißer Thunfisch, atlantischer Blauflossenthun und Garnelen (Nordostpazifik).

Ist Fischzucht eine Lösung?

Fisch | © panthermedia.net /klenova

Fisch | © panthermedia.net /klenova

Ist Fischzucht (Aquakultur)eine Lösung des Problems, oder macht sie alles nur schlimmer? Viele Zuchtfische erhalten Antibiotika mit ihrer Nahrung, leben typischerweise in überfüllten, verschmutzten, stressigen Umgebungen und werden mit Fischpellets gefüttert, die mit Pestiziden und anderen Chemikalien kontaminiert sein können. Während diese Bedingungen am wahrscheinlichsten in Fischfarmen auftreten, die sich in Meeresumgebungen befinden, und nicht in Binnengewässern und geschlossenen Aquakultursystemen, haben Letztere auch ihre Probleme, einschließlich der Notwendigkeit, dass Fische gefüttert werden müssen und dieses Futter die Gewässer belastet.

Fischzuchten verwenden wilden Fisch zur Verfütterung an die Zuchttiere, was eindeutig eine nicht nachhaltige Praxis ist. Obwohl einige Anstrengungen unternommen werden, um Fischfutter auf pflanzlicher Basis zu verwenden, steckt diese Praxis noch in den Kinderschuhen. Auch die Ernteverfahren für Wildfang sind oft fragwürdig. Ein Großteil der Meeresfrüchte, die in Märkten und Restaurants landen, wurde in einer nicht nachhaltigen und umweltschädigenden Weise gewonnen. Ein solcher Ansatz ist das Ausbaggern, das den Meeresboden zerstört. Atlantischer Kabeljau, dessen Bestand fast erschöpft ist, wird mit Grundschleppnetzen gefangen, die den Meeresboden zerstören.

Was ist mit Meeresfrüchten, die als nachhaltig gekennzeichnet sind? Laut einer Studie von Oceana aus dem Jahr 2013, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für den Schutz der Ozeane einsetzt, ist ein Drittel der Fische auf dem Markt absichtlich falsch gekennzeichnet. Was kann man also tun?

Nachhaltige Alternative

Neuseeländische Grünlippmuscheln gelten allgemein als gesunde, nachhaltige Alternative. Das hat mehrere Gründe. Zum einen gilt der südliche Pazifik rund um Neuseeland als eine der unberührtesten Meeresregionen der Erde und ist von Schadstoffen wir Schwermetallen, Mikroplastik und radioaktiver Verstrahlung nahezu unberührt. Die neuseeländische Regierung hat das schon seit Langem erkannt und alle Maßnahmen ergriffen, diese einzigartigen Gewässer für die Zukunft zu bewahren.

Die Muschelzuchten vor Neuseeland unterliegen mehrheitlich einer strengen Kontrolle und sind ökologisch nachhaltig. Was viele Menschen nicht wissen: Muscheln benötigen kein Futter. Sie ernähren sich ausschließlich aus den Schwebestoffen im Meer. Deshalb belastet auch kein Fischfutter den Ozean und im Muschelfleisch finden sich keine Antibiotika, Hormone oder andere Schadstoffe aus dem Futter.

Die Nährstoffe der Grünlippmuschel

Muscheln | © panthermedia.net /Antonio-S

Muscheln | © panthermedia.net /Antonio-S

Es ist die einzigartige Zusammensetzung ihrer Nährstoffe, die die gesundheitsfördernden Eigenschaften der neuseeländischen Grünlippmuschel ausmachen. Die Mineralstoffzusammensetzung entspricht jener des menschlichen Körpers. Ihr Nährstoffprofil umfasst Vitamin A, B-Vitamine wie Folsäure und B12, Mineralstoffe wie Phosphor, Zink, Mangan und Eisen sowie langkettige Omega-3-Fettsäuren, antibakteriell und antiviral wirkende Glykoproteine und ein spezielles Mucopolysaccharid, das auch als „Kleber des Lebens“ bezeichnet wird.

Eine Portion frische gekochte Muscheln enthält nur 146 Kalorien, 4 Gramm Fett, 6 Gramm Kohlenhydrate und 48 mg Cholesterin. Damit zählen die neuseeländischen Grünlippmuscheln zu den Lebensmitteln mit höchstem Nährwert bei gleichzeitig geringer Kalorienzufuhr.


Die Nährstoffe der Grünlippmuschel im Detail:

  • Glycosaminoglycane (GAGS)
  • Chondroitinsulfat 4 und 6
  • Omega-Fettsäuren
  • Mucopolysaccharid (MPS)
  • Kohlenhydrate
  • 19 Aminosäuren, darunter alle 8 essenziellen
  • Vitamine (E, B12, A, D3)
  • Mineralien als hoch bioverfügbare Chelate (Kupfer, Zink, Mangan, Bor, Chrom, Eisen, Kalzium, Phosphor, Kalium, Magnesium, Nickel, Selen, Jod, Schwefel)

Was sind die gesundheitlichen Vorteile von Grünlippmuscheln?

Muscheln | © panthermedia.net /Antonio-S

Muscheln | © panthermedia.net /Antonio-S

Grünlippmuscheln wurden vor fast 60 Jahren einer umfassenden Forschung unterzogen, als Wissenschaftler versuchten, spezifische Verbindungen zu isolieren, um wirksame natürliche Medikamente zu entwickeln. Ursprünglich wurden Grünlippmuscheln bei krebskranken Patienten auf ihre Wirksamkeit getestet. Obwohl es keine klinisch relevanten Effekte in Bezug auf die Krebsbehandlung gab, bemerkten einige der Patienten, die zufällig an Osteoarthritis litten, eine Verringerung von Schmerz und Steifheit, zusammen mit einer Verbesserung der Mobilität.

Obwohl dies damals nicht zu viel Beachtung fand, begann in den 1980er-Jahren die Erforschung der möglichen arthritischen Behandlung mit Grünlippmuscheln, als die Ärzte begannen, die beeindruckenden Ergebnisse der Patienten zu veröffentlichen, die das Präparat erhielten. Diesen Ergebnissen, zusammen mit dem Anstieg der Prävalenz von Osteoarthritis als Volkskrankheit in den Industrieländern, folgten weitere wissenschaftliche Untersuchungen zur Quantifizierung der Wirkung.

Darmgesundheit

Neben der Verbesserung der Symptome von Osteoarthritis gibt es auch Hinweise darauf, dass die Inhaltsstoffe von Grünlippmuscheln die Darmgesundheit positiv beeinflussen können. Der Darm wird wegen seiner enormen Bedeutung im Körper oft als „das vergessene Organ“ bezeichnet. Forschungsergebnisse legen nahe, dass die eine Population von verschiedenen „freundlichen Bakterien“ für die Immunfunktion eine entscheidende Rolle spielt und Adipositas und Stoffwechselkrankheiten vorbeugt, um nur einige Themen zu nennen.

Es gibt zahlreiche Forschungsergebnisse, die gezeigt haben, dass Grünlippmuscheln unsere Darmgesundheit beeinflussen können. Zum einen hat eine Studie aus dem Jahr 2017 gezeigt, dass Grünlippmuscheln das Wachstum befreundeter Bakterien stimulieren und gleichzeitig Darmentzündungen unterdrücken. Darmentzündung ist ein Faktor für viele chronische Krankheiten und sogar Darmkrebs. Die Wirkstoffe der Grünlippmuschel glätten und stärken auch die Darmwände und leisten so einen entscheidenden Beitrag zur Darmgesundheit.

Asthma, Allergien und Autoimmunerkrankungen

Allergie | © panthermedia.net /coendef

Allergie | © panthermedia.net /coendef

Grünlippmuscheln besitzen entzündungshemmende Eigenschaften, die sich bei der Verringerung von Asthmasymptomen als vorteilhaft erwiesen haben. Die in den Grünlippmuscheln enthaltene einzigartige Kombination von Omega-Fettsäuren hemmt die Produktion von Leukotrienen, die als Teil der Leukozyten (weißen Blutkörperchen) an der Auslösung einer Entzündung beteiligt sind und mit Asthma und Allergien in Zusammenhang gebracht werden.

Es gibt veröffentlichte Studien, die nahelegen, dass Grünlippmuscheln die Symptome bei Menschen, die an Asthma leiden, verbessern können und chronisch entzündliche Erkrankungen der Atemwege lindern. Eine im European Respiratory Journal im Jahr 2002 veröffentlichte randomisierte Kontrollstudie zeigte, dass bei 46 Patienten mit Asthma die tägliche Einnahme von Grünlippmuschelextrakt zu einer signifikanten Verbesserung des Zustands über einen Zeitraum von 8 Wochen führte. Diese Ergebnisse wurden ohne Nebenwirkungen notiert, was ein weiterer Beweis für die Sicherheit von Grünlippmuscheln ist.

Komplementäre Befunde wurden über ein Jahrzehnt später veröffentlicht und zeigten, dass die Wirkstoffe der Grünlippmuscheln bei Patienten mit hyperpnoeinduzierter Bronchokonstriktion verschiedene Marker der Atemfunktion signifikant verbessern können. Auch Patienten mit Autoimmunerkrankungen und Allergien können von dieser Wirkung profitieren.

Haben Grünlippmuscheln Nebenwirkungen?

Insgesamt werden Nebenwirkungen von Grünlippmuscheln bei Menschen, die nicht auf Schalentiere allergisch sind, selten beobachtet. Bei Überdosierung können Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Übelkeit und Blähungen auftreten. Obwohl sie für die meisten Menschen sicher sind, werden Grünlippmuscheln nicht für Personen empfohlen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen. Ebenso sollten Grünlippmuscheln und andere reiche Quellen von Omega-3 nicht vor chirurgischen Eingriffen eingenommen werden, um übermäßige Blutungen zu vermeiden.

Aber wie unterscheiden sich Grünlippmuscheln von den billigeren und marktüblichen Fischölen? Schließlich enthalten sie die gleichen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Eine Studie, die genau diese Frage zur Grundlage hatte, wurde 2013 im Journal of Marine Drugs veröffentlicht. Die Forscher fanden heraus, dass Grünlippmuscheln bei Arthrosepatienten im Vergleich zu Fischöl-Nahrungsergänzung signifikant wirksamer zur Schmerzlinderung und Steigerung der Lebensqualität waren. Neben den bekannten langkettigen Omega-3-Fettsäuren (DHA und EPA) enthalten Grünlippmuscheln nämlich noch weitere, einzigartige Omega-3-Fettsäuren mit charakteristischen entzündungshemmenden Eigenschaften. Es sind die wertvollen und seltenen Furanfettsäuren, die als starke Antioxidantien wirken. Diese synergistische Kombination von Omega-3-Fettsäuren findet sich in keinen anderen marktüblichen Omega-Ölen aus Meerestieren.

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