Lotusgeburt: Die Plazenta bleibt dran!

„Wollen Sie die Nabelschnur durchtrennen?“, fragt die Hebamme den frisch gebackenen Papa und hält ihm eine Schere entgegen. Diese Situation findet man täglich in zahlreichen Kreißsälen. Nicht so, bei der Lotusgeburt. Bei diesem, besonders sanften, Weg ins Leben bleibt die Nabelschnur mitsamt der Plazenta am Baby.

Nach drei bis spätestens zehn Tagen fällt die Nabelschnur, mit der Plazenta am anderen Ende, von alleine ab. Bis zu diesem Zeitpunkt darf sie am Baby bleiben. Hebammen und Eltern, die Erfahrung mit dieser Geburtsform gemacht haben, berichten von besonders ruhigen und entspannten Babys. Auch sollen die Neugeborenen seltener zu Gelbsucht neigen, als Altersgenossen, bei denen die Nabelschnur durchtrennt wurde.

In der westlichen Kultur ist es Gang und Gäbe, die Nabelschnur noch zu durchtrennen, ehe die Plazenta geboren ist. Das Neugeborene wird sofort untersucht, gemessen und gewogen, während die Mutter alleine im Bett liegt und auf die Nachgeburt wartet. Eine Plastikklammer verschließt den Nabelstumpf, der noch am Baby hängt. Auch dieser fällt in der Regel nach spätestens einer Woche ab. Mit der Versorgung des Nabels kennen sich Nachsorgehebammen bestens aus. Eine Lotusgeburt haben die wenigsten von ihnen erlebt.

plazenta

Platenta/ Mutterkuchen – nach der Geburt abgetrennt.

Die Entfernung der Plazenta ist nicht mehr, als ein kosmetischer Eingriff. Die meisten Hebammen, und Ärzte hinterfragen diese Praxis nicht. So kennen wir es, so wird es gemacht. Einen medizinischen Nutzen hat das Durchtrennen der Nabelschnur jedoch nicht. Viele Hebammen befürworten es inzwischen, die Nabelschnur so lange wie möglich auspulsieren zu lassen, ehe sie durchtrennt wird. Das ist eine Weiterentwicklung. „Vor 20 Jahren hätte sich darüber niemand Gedanken gemacht“, sagt die Nachsorgehebamme Christine Rothenbücher, aus Kleinwallstadt in Unterfranken, zu GreenFamily.

Die Frage: „Wollen Sie die Plazenta dran lassen?“, bekommt keine Frau im Kreißsaal gestellt. Wer sich für eine Lotusgeburt entscheidet, muss dies bewusst vorab mit der Hebamme oder dem behandelnden Arzt absprechen. Nach dem Gebären des Babys, wird es der Mama auf die Brust gelegt, bis schließlich auch die Nachgeburt geboren wurde. Erst dann beginnt das Messen, Wiegen und Untersuchen.

Dieser sanfte Weg ins Leben bedeutet für Baby und Eltern weniger Stress und Hektik. Aus medizinischer Sicht betrachtet ist die Lotusgeburt, laut ihrer Befürworter, ebenfalls von Vorteil – die Gefahr einer Infektion sinkt gegenüber einem offenen Nabelstumpf. Außerdem soll das Baby länger mit Eisen und mit mütterlichen Antikörpern versorgt werden. Auch soll der Anteil an kindlichen Stammzellen im Blut erhöht sein. Das Risiko des Atemnot-Syndroms sei geringer, die Nieren- und Blasenfunktion des Neugeborenen gestärkt.

Wer sich für eine Lotusgeburt entscheidet, muss einige Dinge beachten: Nach der Geburt wird die Plazenta in eine Schüssel gelegt. Nach spätestens 24 Stunden wird die Plazenta über einem Sieb abgetropft. Die Plazenta nun mit warmem Wasser abspülen und Blutklumpen entfernen. Anschließend vorsichtig trocken tupfen. Nach frühestens 24 Stunden sollte die Plazenta dann mit einer dicken Salzschicht bedeckt werden. Auch Kräuter und Aromaöle können dazugegeben werden. Nach einer Stunde werden Salz und Kräuter mit einem Tuch entfernt. Die Plazenta wird nun in weiche, saugfähige Tücher gewickelt – Molltontücher beispielsweise. Diese müssen täglich gewechselt werden! Eine dafür vorgesehene Plazenta-Tasche eignet sich zum Transport. Beim Tragen der Plazenta darf kein Zug entstehen – die Plazenta sollte stets auf gleicher Höhe mit und nah bei dem Baby getragen werden. Dem Baby am besten Kleidung anziehen, die sich vorne binden oder knöpfen lässt, sodass die Nabelschnur einfach durchgefädelt werden kann. Nach spätestens zehn Tagen löst sich die Nabelschnur von alleine, ohne Zug, Druck oder sonstige Manipulation. Nun wird der Nabel versorgt, wie bei jedem anderen Säugling, der den restlichen Nabelstumpf verloren hat (mit Puder oder Salbe).

Die Lotusgeburt ist vielen Hebammen und Ärzten unbekannt, weshalb auch viele Schwangere über diese Möglichkeit nicht informiert werden. Unsere Vorfahren haben diese Methode meist nicht angewandt, sondern die Nabelschnur, wie Tiere, durchgebissen. Von einigen Naturvölkern weiß man jedoch, dass sie die Lotusgeburt praktizieren.

Wer sich für eine Lotusgeburt entschieden und den Tag des Ablösens erreicht hat, kann die Plazenta im Garten vergraben – viele Eltern pflanzen darauf einen Baum für ihren Nachwuchs.

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Über die Autorin ()

Rebecca Schwab ist ausgebildete Online-Redakteurin, dreifache Mutter und Autorin von GreenFamily.de. Mit ihren Kindern und Hündin Bella lebt sie in Lübeck.

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