Minimalismus im Kleiderschrank

Minimalismus im KleiderschrankIch war noch nie die Mensch gewordene Mode-Puppe. Trotzdem stand ich täglich vor einem Kleiderschrank voller „nix zum anziehen“. Bepackt bis obenhin, aber völlig ohne System. Das sollte endlich ein Ende haben. Also habe ich eine Strategie entwickelt.

In den letzten Jahren haben sich unzählige Kleider in meinen Schrank geschlichen. Viele Teile hätte ich niemals miteinander kombinieren können, einige waren zu klein, sehr unvorteilhaft geschnitten, ausgewaschen oder passten überhaupt nicht zu meinem Stil. Trotzdem konnte ich mich schwer trennen.

Lange habe ich überlegt, ob ich an der 333-Challange teilnehmen soll. Dabei räumt man seinen Kleiderschrank bis auf 33 Lieblingsstücke leer und zieht drei Monate lang nichts anderes an. Es werden keine Sachen ausgetauscht, keine neuen dazu gekauft. Die Challange soll zeigen, dass wir viel zu viel Kram besitzen und mit weniger ebenso glücklich sein können. Die Idee habe ich schnell verworfen, denn 33 Teile – das sind definitiv zu wenige für mich. Ich gehe mehrmals die Woche zum Sport, bei Wind und Wetter mit dem Hund vor die Tür, möchte bei schickeren Anlässen nicht immer das gleiche Kleid tragen und überhaupt – mich nicht durch eine Zahl einschränken lassen.

Also überlegte ich mir eine andere Strategie. Welche vier Farben hatte ich in den letzten Monaten und Jahren am liebsten getragen? Definitiv Schwarz, Weiß, Rot und Senfgelb. Ganz einfach, dachte ich mir. Alle Teile in anderen Farben müssen gehen. Ausnahme: 2 dunkelblaue Jeanshosen. Die gehen immer, finde ich.

Überlegt, getan. Ich sortierte also alle Teile aus, die nicht in mein Farbschema passten. Auch einige Badesachen, Schuhe, Schals und Taschen mussten gehen. Einige Teile konnte ich verkaufen, andere verschenkte ich. Bei den übrig gebliebenen Lieblingsstücken achtete ich auf Kombinierbarkeit und stellte mir gedanklich einige Outfits zusammen.

Im nächsten Schritt sortierte ich meinen Schmuck aus. Auch hier passten einige Teile nun nicht mehr zu meinem Schrankinhalt. Pinke Federohrringe? Weg damit. Andere freuen sich drüber.

Einige Wochen nach meiner Ausmistaktion stand ein Shoppingnachmittag an. Normalerweise wäre ich völlig orientierungslos und gestresst von Laden zu Laden gerannt, mit zig Teilen in den Umkleidekabinen verschwunden und hinterher auch nicht schlauer gewesen. Eigentlich hätte ich alles irgendwie schön gefunden. Nicht dieses Mal. Gezielt griff ich nur zu Stücken, die farblich zu meinem Schrank-Konzept passten und sich zudem mit den vorhandenen Teilen kombinieren ließen. Andere Stücke, die mir zwar durchaus gut gefielen, aber eben nicht ins Konzept passten, ließ ich unberührt hängen. Entspannter geht es kaum…

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Über die Autorin ()

Rebecca Schwab ist ausgebildete Online-Redakteurin, dreifache Mutter und Autorin von GreenFamily.de. Mit ihren Kindern und Hündin Bella lebt sie in Lübeck.

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