Packt die Brüste ein – ein stiller Protest

© Ludovic PRACROS

© Ludovic PRACROS

Einmal Hand auf die Brust aufs Herz, liebe Stillmamas: Wer von euch ist für diskretes Stillen in der Öffentlichkeit wirklich schon angefeindet worden? Ich habe drei Kinder gestillt und mir ist es zu keiner Zeit und an keinem Ort passiert. Auch in meinem Freundeskreis ist mir ein solcher Vorfall nicht bekannt. Dennoch will diese Debatte nicht enden. Wird hier ein Problem beredet, dass gar nicht existiert?

Es gibt in der Tat Plätze, an denen man sich als stillende Mutter wohler fühlt, als an anderen. Wenn es in einem Café eine gemütliche Sitzecke gibt und vielleicht sogar ein Glas Wasser oder eine Tasse Still-Tee gratis, dann ist das toll. Dann ist es auch berechtigt, wenn dieses Café als „stillfreundlich“ ausgezeichnet wird. Doch auch, wenn dieser Service nicht überall geboten wird, muss man sich als Mutter nicht gleich diskriminiert fühlen.

In Deutschland gibt es kein Gesetzt, das stillende Mütter schützt. Heißt im Klartext, wenn sich andere Kunden in einem Geschäft oder Lokal durch den Anblick nackter Brüste belästigt fühlen, darf der Hausherr eine stillende Mutter bitten, zu gehen. Von diesem Recht Gebrauch macht in der Realität kaum einer. Vereinzelte Fälle sind bekannt, stehen jedoch meiner Ansicht nach in keiner Relation zu den vielen positiven oder gleichgültigen Reaktionen.

Ich habe drei Sommerkinder und hatte es nach der Geburt nicht schwer, diskret zu stillen. Ich hatte meist ein weites Oberteil an oder eine Strickjacke drüber und im Zweifel habe ich die jeweilige Brust mit einem Spucktuch oder dem Tragetuch bedeckt. Zum Winter hin fiel es mir noch leichter, da haben ein weiter Pulli oder Schal für Privatsphäre gesorgt. Ich habe auf diese Weise quasi überall gestillt. Im Restaurant, im Arzt-Wartezimmer, am Bahnhof, im Park, im Schwimmbad, im Schuhgeschäft, mitten in der Stadt. Eben immer dort, wo mein Kind hungrig war. Ich hatte nie das Gefühl, für Aufsehen gesorgt oder jemanden in Bedrängnis gebracht zu haben.

Wer sein Recht auf Stillen in der Öffentlichkeit mit dem Gummihammer durchsetzen und seine Brüste demonstrativ entblößen muss, weil es ja so natürlich ist, der muss mit erschrockenen Blicken rechnen. Und diese sind meiner Ansicht nach berechtigt. So wie sich manch eine Frau in der Privatsphäre gestört fühlt, wenn ihr ein Fremder auf die Brust schaut, so fühlt sich manch Fremder in der Privatsphäre gestört, wenn er ungebeten eine nackte Brust zu Gesicht bekommt. Gegenseitige Rücksichtnahme ist hier die Lösung und schon gibt es keinen Grund mehr, über das Thema zu debattieren.

Oder doch? Welche Erfahrung habt ihr gemacht? Hinterlasst eure Kommentare…

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Pin on PinterestShare on LinkedInEmail this to someone

Über die Autorin ()

Rebecca Schwab ist ausgebildete Online-Redakteurin, dreifache Mutter und Autorin von GreenFamily.de. Mit ihren Kindern und Hündin Bella lebt sie in Lübeck.

Kommentar verfassen