„TopfFit“ – von Geburt an

„Mama, haben die Steinzeitmenschen auch schon Windeln für Ihre Babys gehabt?“
Gute Frage – wie haben unsere Urahnen das mit dem „Sauberwerden“ eigentlich gelöst?

Symbolbild Windeln für Babys © Bildagentur PantherMedia Kati Neudert

Symbolbild Windeln für Babys © Bildagentur PantherMedia Kati Neudert

Nein, unsere Urahnen hatten gewiss noch keine Windeln und auch heutzutage gibt es Regionen auf diesem Planeten, wo Eltern keine Windeln zur Verfügung stehen. Auch hierzulande scheint ein Umdenken zu beginnen. Etwa 5.000 Windeln verbraucht ein Baby durchschnittlich, bis es lernt, auf die Toilette zu gehen. Viele Eltern suchen nach einer Alternative, probieren es mit Stoffwindeln oder kaufen, der Umwelt zu liebe, wenigstens Öko-Windeln, die komplett kompostierbar sind. Einigen wenigen Eltern reicht das alles aber nicht und sie folgen einem Trend aus den USA: Dem „Potty Training“, hierzulande auch als „TopfFit-Methode“ bekannt.

Hierbei trägt das Baby entweder direkt von Geburt an keine Windel oder verabschiedet sich von dieser bereits im ersten Lebenshalbjahr. Geeignet ist diese Methode für Eltern, die wenigstens zwei Jahre zu Hause bleiben und sich intensiv mit dem Kind beschäftigen können. Das Baby muss akribisch „studiert“ werden. Wie verhält es sich, ehe es Pipi oder Kacka machen muss? Verändert sich seine Mimik oder Gestik? In welchen Zeitabständen muss es seine Geschäftchen erledigen?

So erkennen Eltern, wann ihr Baby aufs Töpfchen muss

• Signale und Zeichen (Körpersprache, stimmliche Hinweise)
• Timing (nach der Uhr)
• Ausscheidungsmuster (beispielsweise im Verhältnis zu Füttern oder Aufwachen)
• Mütterliche / väterliche Intuition

Je weniger Kleidung das Baby am Körper trägt, desto einfacher ist es, die ersten Signale wahrzunehmen und schnell zu reagieren. Im Sommer ist das kein Problem – in den kälteren Jahreszeiten sollte die Wohnung angenehm aufgeheizt werden.

Die Liste der Vorteile, welche die „TopfFit-Methode“ mit sich bringt, ist lang

• Umweltschutz: Bäume, Wasser und Erdöl werden geschont und Mülldeponien entlastet.
• Befreiung des Babys von Windeln und ihren Nachteilen („Paket“ zwischen den Beinen, chemische Zusätze usw.).
• Kräftigung der Eltern-Kind-Bindung durch Nähe, Kommunikation und intensive Zuwendung.
• Geldsparen – dadurch dass keine / weniger Windeln gekauft werden müssen.
• Eingehen auf die Ausscheidungskommunikation und das Timing des Säuglings.
• Nutzung des Lernfensters für Sauberkeit (man spricht auch von der „sensiblen Phase“ zwischen Geburt und sechstem Lebensmonat).
• Frühzeitige bewusste Kontrolle der Ausscheidungen durch das Kleinkind (12. Bis 18. Lebensmonat).
• Vorbeugung von späterem Bettnässen.
• Vorbeugung von Wundsein im windelbereich.
• Aufrechterhaltung des natürlichen Körpergefühl des Babys.
• Reduzierung des Risikos von Infekten des Urinaltraktes.

Wer sich für die „TopfFit-Methode“ entscheidet, sollte sich jedoch bewusst sein, dass sehr viel Zeit benötigt wird. Schon ein größeres Geschwisterkind kann den Zeitplan durcheinander bringen. Noch haben sehr wenige Nachsorgehebammen und Kinderärzte in der westlichen Welt Erfahrungen mit dem Thema machen können. Diejenigen, die durch kulturelle Hintergründe oder durch das Beobachten von Familien einen Einblick gewinnen konnten, stehen dem Thema meist positiv gegenüber. Windeln wurden nicht zum Wohle der Babys entwickelt, sondern sollen den Alltag der Erwachsenen angenehmer gestalten. Die Entscheidung liegt allein bei den Eltern und ist abhängig von der Lebenssituation, in welcher sich die Familie befindet.

Ein vermeintlicher Nachteil der „TopfFit-Methode“ ist der, dass es Zeiten gibt, in denen sich Babys nicht gleich bemerkbar machen – weil sie etwa krank sind oder gerade krabbeln oder laufen lernen und davon abgelenkt sind. Psychische Schäden brauchen Eltern nicht befürchten, solange sie sich und ihr Kind nicht unter Druck setzen oder auf das Töpfchen zwingen!

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