Warum ich meine Kinder verwöhne

Mädchen umarmt MutterMeine Großmutter hat mich schon mehrfach davor gewarnt, meine Kinder zu „verwöhnen“. Das Risiko wäre groß, dass sie mir auf der Nase herumtanzen, das Familienbett nie verlassen und völlig verweichlichen würden. Ich müsse härter durchgreifen, die Kinder für ihr Fehlverhalten bestrafen, konsequent bleiben. Konsequent bin ich in meiner Erziehung. Konsequent liebevoll.

 

Nach der Trennung von meinem Mann und dessen Auszug habe ich mit meinen Kindern regelmäßig eine Kinderpsychologische Praxis aufgesucht. Ich wollte abgeklärt wissen, dass meine Kinder die Veränderungen gut verarbeiten. Was mir die Psychologin im Ergebnisgespräch mitteilte, bestärkte mich einmal mehr in meiner Auffassung von Erziehung: „Ihre Kinder sind sehr gefestigt und stark. Das spricht dafür, dass sie in den letzten Jahren viel Liebe und Zuneigung erfahren haben und aus diesem Energiespeicher nun schöpfen können.“

 

Liebe stärkt

Veränderungen gehören zum Leben dazu, ebenso wie Abschiede und Niederlagen. Seine Kinder vor diesen Erfahrungen zu beschützen ist nicht immer möglich. Sie zu stärken, ihnen Halt zu geben und sie darauf vorzubereiten hingegen schon – und meiner Meinung nach auch sehr wichtig und richtig. Selbstzweifel und konstruktive Kritik können hilfreich sein – sie bewahren vor Stillstand. Doch dürfen diese nicht alltäglich werden. Kinder sollten stets mit dem Wissen leben, dass es immer Menschen geben wird, die sie lieben und von denen sie Hilfe annehmen können. Egal, ob sie etwas angestellt haben oder einer Herausforderung nicht gewachsen sind.

 

Liebe beschützt

Meine Kinder haben von Anfang an im Familienbett geschlafen. Heute teilen sie sich ein Zimmer und darin oft ein Bett. Auch an den Papa-Wochenenden, alle 14 Tage, schlafen sie zusammen. Bekannte und Verwandte haben diesbezüglich schon oft Bedenken geäußert oder mir sogar Vorwürfe gemacht. Auch, dass mein Kleinster mit seinen viereinhalb noch regelmäßig unter meine Decke geschlüpft kommt, finden viele Menschen in meinem Umkreis befremdlich. Ich sehe das aus einem anderen Blickwinkel. Das Bett ist der Ort, an dem wir zur Ruhe kommen und neue Kraft für den nächsten Tag tanken. Diese Ruhe sollte durch nichts gestört werden. Nicht durch negative Gedanken, nicht durch Ängste und auch nicht durch Instinkte. In einer Gruppe zu schlafen ist für die Spezies Mensch natürlich und das Gefühl, beschützt zu sein, hilft dabei, in einen gesunden und erholsamen Schlaf zu finden.

 

Liebe beruhigt

Vor allem bei meinen beiden Söhnen beobachte ich, dass sie negative Gefühle durch Wut zum Ausdruck bringen. Das mühsam erbaute Legoflugzeug ist heruntergefallen, in der Schule war die Lehrerin ungerecht, der Nachbarsjunge feiert Kindergeburtstag und Sohnemann hat keine Einladung bekommen. Ich sehe, wie es in meinem Kind brodelt. Jeden Moment droht ein Wutanfall. Manchmal ist es auch bereits zu spät und die Bombe ist geplatzt. Da hilft bei meinen Söhnen nur: Eine feste Umarmung, viel Liebe und Verständnis. Auch, wenn manche Katastrophen in meinen Augen Nichtigkeiten sein mögen. Aus Kinderaugen betrachtet gibt es in diesem Moment nichts Schlimmeres. In meinen Armen darf gemotzt werden und geweint und meistens wird sich dann ganz schnell wieder beruhigt.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Pin on PinterestShare on LinkedInEmail this to someone

Über die Autorin ()

Rebecca Schwab ist ausgebildete Online-Redakteurin, dreifache Mutter und Autorin von GreenFamily.de. Mit ihren Kindern und Hündin Bella lebt sie in Lübeck.

Kommentare (6)

Trackback URL | Comments RSS Feed

  1. Hallo,

    das ist ein toller Artikel. Und ein Thema, welches oft unglaublich viel Kopfschütteln/Kritik verursacht. Wir schenken unseren Kindern auch soviel Liebe, Geborgenheit und Wärme, wie wir nur geben können. Und auch wir müssen uns anhören, dass wir sie verwöhnen. Abends bis zum Einschlafen kuscheln, vorlesen egal wie der Tag war (nicht nur als Belohnung für braves Bettfertigmachen), Schlafen im Familienbett (die Große kam dann Belastung durch den Schulstart auch gerade wieder zurück), Kinder anziehen, welche das gut alleine können, wenn sie Hilfe wollen helfen, obwohl sie sich selbst helfen könnten…

    Und wir merken, wie es ihnen gut tut. Gerade Im Kontakt mit anderen Kindern sehen wir oft, wie reif und selbstsicher sie sind. Sie betteln nicht die ganze Zeit um Aufmerksamkeit, weil sie davon ja sehr viel bekommen. Und sie machen nicht anderen zuliebe Dinge, die sie garnicht wollen. Es ist einfach schön die Zeit mit ihnen zu verbringen und das liegt sicher auch daran, dass wir ihnen oft einen Gefallen tun – sie machen das nämlich auch für uns. So wie in einer glücklichen Erwachsenenbeziehung: wenn beide mehr tun, als sie müssten und den anderen auch mal verwöhnen, sind beide glücklich mit der Beziehung und genießen das Beisammensein.

    Viele Grüße,
    Maria von OstSeeRäuberBande

  2. Petral sagt:

    Hey du,
    ich bin gerade auf deinen tollen Blog gestossen und komme jetzt öfter vorbei. Liebe Grüße, Petra von Papier und Tintenwelten für Klein und Gross

    PS: Wenn du nur etwas für die Erwachsenen suchst schau mal Hier

  3. Sonya sagt:

    Man kann Kinder gar nicht zu viel verwöhnen und mit Liebe überschütten!!! <3

  4. Steffi sagt:

    Hallo,
    auch mein Sohn schläft nun schon über 5 Jahre mit in meinem Bett. Ich habe ihn 8 Monate lang fast den ganzen Tag und teils auch nachts getragen, habe ihn drei Jahre kang gestillt und ihm schon als Baby Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen. Für meine Umwelt war das oft etwas schräg und niemand glaubte, dass er je selbstständig werden würde. Nach 8 getragenen Monaten erkundete er krabbelnd die Welt, nach einem Jahr voll gestillt griff er direkt von meinem Teller und übersprang die Breiphase, ich werde jeden Morgen mit einem Kuss geweckt, mein Sohn liebt Bücher jeglicher Art und am allermeisten freue ich mich darüber, dass er eine so gute Figur im Kindergarten macht. Auch ich bin alleinerziehend und habe nach zwei Jahren Elternzeit wieder in Vollzeit angefangen, das bedeutet für meinen Sohn teils 10-12 Stunden Fremdbetreuung. Und trotzdem fällt er durch seine besondere Ausgeglichenheit und sein Selbstvertrauen immer wieder positiv dort auf. Er hat ein Urvertrauen in die Welt und seine Bezugspersonen. Ende des Jahres steigen auch wir aus und ich freue mich sehr auf wieder kehrende gemeinsame Zeit.

    • Vielen Dank, Steffi, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! Ich finde es ganz toll, solche positiven Berichte zu lesen! Es bestärkt mich einmal mehr in dem, was ich tue und anderen Eltern rate! 🙂 Liebe Grüße aus Lübeck Rebecca

  5. Petra Lentfer sagt:

    Hallo zusammen,

    auch meine Kinder durften mit in meinem Bett schlafen. Dies machen meine Enkel auch noch regelmäßig. Der Lütte geht sowieso mit „Oma“ schlafen und kuschelt, die größeren Enkel wechseln sich ab und kommen auch unter meine Decke. Wir kuscheln, wir reden und es ist eine große Vertrautheit.

    Auch ich habe schon Kopfschütteln im Bekanntenkreis geerntet, aber das ist mir egal! Hauptsache ist doch, den Kindern geht es gut, denn dann geht es auch der Oma gut.

Kommentar verfassen