Über Wildtiere im Zirkus

© Andrea Izzotti

© Andrea Izzotti

„Gehen wir in den Zirkus? Bitte, bitte, bitte!“, für gewöhnlich kann ich meiner Tochter kaum einen Wunsch abschlagen, wenn sie mit ihrem Hundeblick vor mir steht und mich derart lieb anbettelt bittet… Diesmal war es anders. „Nein. Definitiv N-E-I-N!“, war meine Antwort.

Und daran war nicht zu rütteln. Nicht einmal einen Millimeter weit. Natürlich hatte die Kleine (die inzwischen schon acht Jahre alt ist) nach meiner Erklärung Verständnis für meinen stillen Protest und war am Ende fast wütender auf die Zirkusbetreiber, als ich selbst es seit Jahren bin.

Ich bin nicht generell gegen einen Zirkusbesuch. Ganz im Gegenteil. Ich lasse mich gerne von der Atmosphäre, von Zuckerwatte, Clowns und Artisten verzaubern. Ich bin gegen Zirkusbetriebe, in denen Tiere gehalten werden. Und zwar strikt dagegen. Ich rede nicht vom Haushund, der im Zirkuswagen mitreist. Sondern von Tieren, die für Shows ausgenutzt werden. Es ist in meinen Augen eine riesengroße Schweinerei, dass der Gesetzgeber nicht längst ein Verbot verhängt hat für diese Art der Tierquälerei. In vielen der über 300 umherreisenden Betrieben werden Tiere wildlebender Arten gehalten: Elefanten, Nashörner, Tiger, Löwen, Bären, Giraffen, Kamele – die Liste an mitgeführten Tieren ist lang. Dass diese Tiere nicht einmal annähernd artgerecht gehalten werden können, liegt auf der Hand. Sie leben in kleinen Gehegen, wechseln im Schnitt 50 Mal pro Jahr ihren Aufenthaltsort (sind dabei in kleinen Transportwagen gefangen) und werden zu völlig unnatürlichen Kunststücken trainiert. Vielen Zirkusbetreibern fehlt Sachwissen über die Tiere. Eine tierärztliche Versorgung ist oft unzureichend gewährleistet. Es gibt zum einen nur wenige Tierärzte, die auf Wildtiere spezialisiert sind, zum anderen können oder wollen sich viele Betriebe die Kosten hierfür nicht leisten. Auch ein Winterlager für die Haltung außerhalb der Saison kann längst nicht jeder Zirkus sein Eigen nennen.

Nach aktueller Gesetzeslage sind Tierschützer ziemlich machtlos, wenn es darum geht, Wildtiere aus ihrem qualvollen Zirkusalltag zu befreien. Die Haltungsvorgaben für Zirkustiere sind erschreckend gering. Selbst die kontrollierenden Veterinärbehörden können am Leid der Tiere nur wenig bis gar nichts ändern. Würde ein Zirkustier tatsächlich beschlagnahmt, würde sich zuerst die Frage stellen: Wohin mit dem Tier? Es mangelt an Auffangstationen. Auch der Ortswechsel der Zirkusbetriebe erschwert ein Eingreifen der Behörden, weil ständig ein anderes Amt für den jeweiligen Zirkus zuständig ist.

Meiner Ansicht nach ist ein absolutes Haltungsverbot von Wildtieren in Zirkussen (für meinen Geschmack auch das Verbot, heimische Tierarten – wie Ziegen und Pferde – in die Shows einzubinden) der einzige Weg, welcher dringend vom Gesetzgeber gegangen werden muss. Bis es soweit ist, boykottiere ich jeden Zirkusbetrieb, der Tiere hält, indem ich seine Shows mit meiner Familie nicht besuche. Ich hoffe, dass sich in naher Zukunft viele Menschen diesem stillen Protest anschließen und die Zirkusbetriebe dadurch erkennen, dass Menschen sich an Clowns und Artisten, Zauberern und Feuerspuckern viel mehr erfreuen, als an gequälten Tieren…

 

Eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF-Magazins Frontal21 ergab, dass zwei Drittel der Deutschen GEGEN eine Haltung von Wildtieren in Zirkusbetrieben sind! Lediglich 15 Prozent äußerten keinerlei Bedenken.

 

Zum Glück gibt es einige Zirkusse, die auf Tierhaltung verzichten. Diese dürfen ohne schlechtes Gewissen besucht werden*:

Quelle der Zirkusliste: peta2.de

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Über die Autorin ()

Rebecca Schwab ist ausgebildete Online-Redakteurin, dreifache Mutter und Autorin von GreenFamily.de. Mit ihren Kindern und Hündin Bella lebt sie in Lübeck.

Kommentare (1)

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  1. Sonya sagt:

    Ich gehe mit meinen Kindern auch weder in den Zoo, noch in den Zirkus. Meine Kinder lieben Tiere und verstehen den Grund.

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