Dem Teufelskreis der Alkoholsucht entkommen – Klinikaufenthalt oder homöopathische Mittel?

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Alkoholsucht | © panthermedia.net /yurok aleksandrovich

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Sei es das Feierabendbier nach der Arbeit oder der Verdauungsschnaps nach dem Restaurantbesuch: Der Konsum von Alkohol ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und gewöhnlich. Obwohl selbst kleine Mengen an Alkohol den menschlichen Körper schädigen können, greift trotzdem ein Großteil aller Erwachsenen hin und wieder zum Glas. Richtig problematisch wird dies allerdings erst, wenn aus Genuss Abhängigkeit wird und ein Leben ohne Alkohol nicht mehr möglich ist.

Wir erklären euch im Folgenden, welche langfristigen Gefahren regelmäßiger Alkoholkonsum mit sich bringt, ab wann man von einer Abhängigkeit sprechen kann und warum man im Ernstfall unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte.

Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum

Alkohol wirkt bei jedem Konsumenten anders: Je nach Alter, Statur und Tagesform führt Alkohol bei manchen schon in kleinsten Mengen zum sogenannten Rauschzustand, während andere Personen weitaus mehr vertragen. Ein weiterer bestimmender Faktor ist die sogenannte Toleranz. Diese besagt, dass sich der Körper von regelmäßigen Trinkern mit der Zeit an die Droge gewöhnt und somit irgendwann eine deutlich größere Alkoholmenge nötig ist, um in den Rauschzustand zu gelangen.

Trotz der individuellen Auswirkungen lassen sich allgemeingültige Folgen von Alkohol feststellen. In kurzfristiger Hinsicht sind dies die bekannten Auswirkungen des „Betrunken-Seins“: Wahrnehmungsstörungen, Koordinationsschwierigkeiten und Artikulationsprobleme. Während Alkohol bei einigen Konsumenten die Stimmung heben und Hemmungen abbauen kann, führt die Substanz unter Umständen auch zu weinerlichen oder aggressiven Reaktionen.

Bei langfristigem Konsum von Alkohol entstehen ernstzunehmende körperliche Beeinträchtigungen, da Alkohol und seine Abbauprodukte in erhöhter Menge giftig für den menschlichen Körper sind. Neben Leberschäden, Magen-Darm-Problemen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirkt sich Alkoholismus auch auf die Konzentrations- und Gedächtnisfähigkeit des Gehirn aus. Außerdem erhöht sich das Risiko für verschiedenste Krebsarten. Bei schweren Alkoholikern können die Schädigungen also so weit reichen, dass lebensbedrohliche Krankheiten entstehen.

Der Krankheitsverlauf des Alkoholismus

Jede Alkoholsucht ist individuell und lässt sich in kein festgelegtes Schema einbinden, doch trotzdem gilt folgender Verlauf als typisch: Zunächst wird immer häufiger zum Glas gegriffen, um damit persönliche Probleme zu bewältigen oder Stress auf der Arbeit zu mindern. Täglicher Alkoholkonsum ist keine Ausnahme mehr, sondern wird zunehmend zur Gewohnheit.

In der nächsten Stufe wird Alkohol immer wichtiger, sodass die Gedanken irgendwann nur noch darum kreisen, wie man sich als Nächstes Alkohol beschaffen kann. Andere Pflichten, Interessen und soziale Kontakte werden immer mehr vernachlässigt. Trinkt der Betroffene weniger Alkohol als gewöhnlich, treten körperliche und seelische Entzugserscheinungen auf, etwa vermehrtes Schwitzen oder zittrige Hände.

Schließlich beherrscht die Alkoholsucht weitgehend den Tagesablauf und das eigene Verhalten. Der Konsument hat die Kontrolle über die Droge verloren und greift zwanghaft und zu jeder Tageszeit zur Flasche. Als Folge lassen geistige Fähigkeiten wie Kritik- und Urteilsfähigkeit nach, sodass viele Betroffene ihre Krankheit gegenüber ihren Bekannten verheimlichen oder verharmlosen.

Woran erkannt man einen Alkoholabhängigen

Hochprozentiger Alkohol | © panthermedia.net /donfiore1

Hochprozentiger Alkohol | © panthermedia.net /donfiore1

Um zu ermitteln, ob jemand „nur“ viel trinkt oder tatsächlich alkoholabhängig ist, kann man sich an den sogenannten sechs Hauptanzeichen von Sucht orientieren. Treten mehr als zwei der im Folgenden beschriebenen Anzeichen auf, sollte man sich dringend um professionelle Hilfe kümmern. Schlussendlich obliegt die genaue Diagnose und die Entscheidung über das weitere Vorgehen dann einem erfahrenen Facharzt.

  • Starkes Verlangen: Zentrales Symptom ist ein kaum beherrschbares Verlangen nach Alkohol, was entweder dauerhaft oder in plötzlichen Wellen auftritt.
  • Kontrollverlust: Betroffene Personen verlieren die Kontrolle über ihren Alkoholkonsum. Sie trinken auch in Situationen, in denen es unangemessen oder gefährlich ist – oftmals bis zum starken Rauschgefühl.
  • Entwicklung einer Toleranz: Der Körper von Abhängigen entwickelt mit der Zeit eine gewisse Toleranz gegenüber der Substanz. Um den gewünschten Effekt zu spüren, werden also immer größere Mengen benötigt.
  • Entzugssymptome: Wird nicht die gewohnte Menge an Alkohol zu sich genommen, reagiert der Körper mit Entzugserscheinungen, wie Angstgefühlen oder Schlafstörungen. Lediglich eine Dosis Alkohol kann diese Symptome zunächst lindern – ein wahrer Teufelskreis also.
  • Vernachlässigung anderer Interessen: Dadurch, dass Alkoholiker durchgehend mit dem Gedanken an Alkohol beschäftigt sind, bleibt keine Zeit für andere Interessen. Viele Suchtkranke verlieren als Folge ihren Job. Auch Freunde und Familie rücken immer weiter in den Hintergrund.
  • Konsum trotz schädlicher Folgen: Alkoholkranke hören selbst dann nicht auf, wenn der Konsum bereits schädliche Auswirkungen mit sich führt, denen sie sich bewusst sind. Sie trinken beispielsweise trotz Trennung vom Partner oder kranker Leber weiter.

Warum man sich professionelle Hilfe holen sollte

Alkoholismus ist eine ernstzunehmende Krankheit, die nicht unter den Tisch gekehrt oder verharmlost werden sollte. Stark abhängige Personen wollen dies oft nicht wahrhaben und sträuben sich daher vor einer professionellen Therapie. Auch die Angst vor den Entzugserscheinungen oder das eigene Schamgefühl sind Faktoren, die viele Betroffene daran hindern, sich Hilfe zu holen.

Statt eine stationäre Behandlung anzustreben, versuchen süchtige Personen daher immer wieder, ihr Problem alleine in den Griff zu bekommen, ganz nach dem Motto: Mit „ein bisschen Disziplin“ klappt das schon. Doch dies ist oftmals ein Trugschluss und endet in einem Rückfall, der zu noch größerer Abhängigkeit führt. Gerade Personen, die schon lange nicht mehr auf den Alkoholkonsum verzichten können, sollten deshalb professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.

Im ersten Schritt hilft es schon, sich beim Hausarzt zu outen. Dieser leitet einen an bestimmte Fachärzte und Kliniken weiter, die auf die Behandlung von Suchttherapien spezialisiert sind und eine genaue Behandlungsmethode entwickeln. Unterstützend dazu erfährt man auch in Selbsthilfegruppen und an Beratungsstellen qualifizierte Hilfe. Im Idealfall ergänzen sich die verschiedenen Teile des Suchthilfenetzwerkes.

Wie eine Behandlung abläuft

Die konkrete Behandlung beginnt in der Regel mit der sogenannten Entzugsphase, in welcher der Körper vollständig vom Alkohol entgiftet wird. Sobald der Suchtstoff nicht mehr zur Verfügung steht, kann es zu körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen kommen, weshalb ein stationärer Aufenthalt in einer Fachklinik unbedingt zu empfehlen ist. Dort können die Symptome über bestimmte Medikamente, deren Dosierung individuell auf den Patienten abgestimmt wird, gelindert werden, sodass die Entzugsphase leichter zu überstehen ist. Homöopathische Heilmittel können die lindernde Wirkung zusätzlich unterstützen.

Im Anschluss an die Entgiftung folgt die eigentliche Therapie, in welcher der Betroffene über Einzel- und Gruppentherapien lernt, den Alltag wieder ohne Alkohol zu meistern. Er wird mit alltäglichen Situationen konfrontiert und lernt, mit ihnen nüchtern umzugehen.

Auch nach dem stationären Aufenthalt erfolgt eine engmaschige ambulante Nachbehandlung, die einen Rückfall verhindern soll. Denn Alkoholismus begleitet Abhängige ein Leben lang – Disziplin, Durchhaltevermögen und professionelle Unterstützung sind unabdingbar, um nicht rückfällig zu werden.

Über die Autorin ()

Florentine ist eine begeisterte Bloggerin und schreibt seit 2018 für greenfamily.de. Ihre Leidenschaft und die Nähe zur Natur zeigt Sie uns gerne in Ihren Worten.

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