Ein Geschwisterchen ist unterwegs

Während der Schwangerschaft verändert sich der Körper einer Frau rasend schnell. Schon nach wenigen Wochen sind die ersten Veränderungen sichtbar – und auch das Verhalten einer Schwangeren ist nun oft schon auffallend anders. Sie raucht nicht mehr, hat plötzlich einen Ekel vor Pizza, ist leicht gereizt und weint vor Rührung, wenn sie ein Hundewelpe sieht. Kurze Zeit später passen die ersten Hosen nicht mehr, die „linea nigra“ (eine dunkle Linie auf dem Bauch) wird sichtbar und Wasserkisten muss ab sofort der Partner tragen.

Symbolbild Geschwisterkind Blick auf den schwangeren Bauch der Mutter© Bildagentur PantherMedia yanlev

Geschwisterkind Blick auf den schwangeren Bauch der Mutter© Bildagentur PantherMedia yanlev

Das Geschwisterkind

Kein Wunder also, dass werdende Geschwisterkinder nun schon bemerken: Da stimmt doch etwas nicht. Kinder haben sehr sensible Antennen, wenn es darum geht, Veränderungen zu spüren. Besonders, wenn es die eigenen Eltern betrifft – denn diese geben Halt und Geborgenheit. Wenn hier etwas nicht mehr so vor sich geht, wie gewohnt, macht das im ersten Moment Angst. Hoffentlich ist meine Mama nicht krank. Die Oma war krank und jetzt ist sie tot. Hoffentlich trennen sich Mama und Papa nicht. Die Eltern von Hannes haben sich getrennt, weil sie immer so viel gestritten haben. Es ist sinnvoll, schon früh das Gespräch mit den werdenden Geschwistern zu suchen und sie in die Vorgänge mit einzubeziehen.

Ein neues Geschwisterchen ist eine positive Nachricht und für ein Kind viel leichter zu verarbeiten, als Tot oder Scheidung. Trotzdem bringt auch diese anstehende Veränderung Sorgen mit sich. „Hat mich meine Mama denn noch genauso lieb, wie jetzt, wenn das Baby da ist?“ Diese Befürchtung schlummert in vielen Kinderköpfen, doch die wenigsten würden sie aussprechen. Es ist nun Aufgabe der Eltern, mit dem werdenden Geschwisterkind darüber zu sprechen – das betrifft oft auch größere Kinder.

Das werdende Geschwisterkind sollte darauf vorbereitet werden, dass das neue Familienmitglied von allen herzlich begrüßt werden wird. Die Omas und Opas, die Tanten, die Freunde – einfach alle werden es knuddeln und unheimlich „süß“ finden. Es werden Aussagen kommen wie: „Die Nase hast du vom Papa“ oder: „Ein Mädchen, das haben wir uns ja so für euch gewünscht, nach zwei Buben!“. Da können sich Geschwisterkinder schnell wie „ausgetauscht“ vorkommen. Eltern sollten schon während der Schwangerschaft erzählen, wie das nach der Geburt ablaufen wird, dem Kind erklären, dass das nach seiner Geburt genauso war und dass es nur eine Phase ist. Schon Kindergartenkinder können mit solchen Gesprächen etwas anfangen.

Eltern sollten sich vor der Geburt überlegen, wie es sein wird, wenn das Baby da ist. Wer liest dem „Großen“ am Abend seine Gute-Nacht-Geschichte vor und wer packt ihm seine „Ich-hab-dich-ja-so-lieb-Pausenbrotdose“ mit den geliebten Leckereien? Ein Neugeborenes kann den gewohnten Tagesablauf ganz schön durcheinander bringen. Ständig ist es auf dem Arm, hängt es an der Brust, nachts raubt es Schlaf und tagsüber ist die Mama müde. Da ist die Stimmung schnell gereizt und der „Große“ bekommt den Frust ab. Es ist wichtig, dass gewohnte Rituale, wie die Gute-Nacht-Geschichte am Abend auch nach der Geburt des Geschwisterchens fortgesetzt werden. Wenn die Geschichte bislang immer die Mama vorgelesen hat und absehbar ist, dass sie das in der ersten Zeit nach der Geburt nicht kann, dann sollte Papa schon während der Schwangerschaft seine neue Rolle übernehmen, damit das Kind diesen Wechsel nicht unmittelbar mit dem neuen Baby in Verbindung bringt.

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Statistik: Ausgaben für Schwangerschaft und Mutterschaft* der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von 2004 bis 2015 (in Milliarden Euro) | Statista
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Auch sollte das Kind darauf vorbereitet werden, dass ein Babysitter aufpasst, wenn die Mama ins Krankenhaus kommt und dass die Mama vielleicht mehrere Tage dort bleiben wird, sich aber über Besuch freut. Damit das Geschwisterkind nicht so enttäuscht wird, von der Tatsache, dass das neue Baby mit Geschenken überhäuft wird, sollte es auch einen kleinen Wunsch erfüllt bekommen.

Neben den Ängsten, die im werdenden Geschwisterkind stecken, hegt es auch ganz viel Neugier. Alles, was nun passiert ist aufregend. Mamas Bauch wird ja kugelrund, so als hätte sie einen Kürbis am Stück verschluckt! Das Baby tritt ja richtig, das kann man sehen und fühlen! Ob es mich hören kann? Ich erzähle ihm mal eben etwas! Die Schwangerschaft als Familie zu erleben, nicht mehr nur als Paar, ist eine wundervolle Erfahrung! Das werdende Geschwisterkind darf mit zum Frauenarzt und auf dem Ultraschallmonitor erste Bilder von seinem neuen Geschwisterchen anschauen. Es kann Mamas Bauch eincremen oder mit Fingerfarben anmalen. Schön ist es, jetzt schon ein neues Ritual einzuführen, in dem das Baby eingebunden wird. So kann das werdende Geschwisterkind beispielsweise jeden Abend vor dem Schlafengehen eine Spieluhr aufziehen und auf Mamas Bauch legen. Wenn das Baby dann da ist, wird die Spieluhr ins Babybett gelegt.

Auch werden nun Fragen wie: „Wie werden Babys eigentlich gemacht?“ gestellt. Größere Kinder stellen schon detailliertere Fragen. Im Buchhandel gibt es zahlreiche Aufklärungs-Bücher, die auf die jeweilige Altersklasse des werdenden Geschwisterkindes abgestimmt sind. Eltern sollten erst gar nicht mit dem Klapperstorch oder Bienchen und Blümchen anfangen. Kinder vertragen die Wahrheit besser, als wir Erwachsenen denken!

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