So klappt bedürfnisorientierte Erziehung mehrerer Kinder

Meist gelingt Attachment Parenting bei einem einzelnen Kind problemlos. Auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen ist nicht allzu schwer. Komplizierter wird es jedoch, wenn die Familie wächst. Mehrere Kinder bedürfnisorientiert zu erziehen, ist in vielen Situationen gar nicht mehr so einfach. Je mehr Kinder und je geringer der Altersunterschied zwischen den Geschwistern, desto größer wird die Herausforderung. Auch bleibt den Eltern kaum noch Raum für die eigenen Bedürfnisse.  

Bildquelle: © Alena Ozerova

Bildquelle: © Alena Ozerova

Oft scheint es, als wollten alle Kinder gleichzeitig Aufmerksamkeit und man müsste sich entscheiden, auf welches Kind man im Besonderen eingeht. Als Mutter von drei Kindern weiß ich, wovon ich schreibe. Oftmals hatte ich – gerade, als die Kinder noch klein waren – das Gefühl, mich zerreißen zu müssen.

Ein Kind hatte Durst, das andere saß rufend auf dem Klo und das dritte war gerade vom Stuhl gefallen und weinte. Am liebsten wäre ich auf jedes einzelne Kind sofort eingegangen. Doch ich musste lernen, Prioritäten zu setzen. Allen Kindern in der Summe gleich viel Aufmerksamkeit und Nähe zu schenken schien mir manchmal unmöglich. Auch heute noch gibt es Situationen, in denen ich das Gefühl habe, eines meiner Kinder oder zwei könnten sich zurückgesetzt fühlen.

No Mum is perfect!

In diesen Situationen predige ich mir selbst immer den Satz: NO MUM IS PERFECT. Wer sich für ein Leben mit mehreren Kindern entscheidet und womöglich obendrein – so wie ich – alleinerziehend ist, der KANN es einfach nicht allen recht machen. Es ist nicht möglich, alles unter einen Hut zu bekommen und gleichzeitig selbst nicht auf der Strecke zu bleiben. Wer sich das bewusst macht und die Ansprüche an sich selbst etwas herunterregelt, kann gelassener und ruhiger mit stressigen Situationen umgehen.

 

5 Ideen, wie Attachment Parenting mit mehreren Kindern klappen kann:

Vorausschauend denken

Dein Säugling hat Hunger, du weißt, dass du nun einige Zeit mit dem Stillen verbringen und dich darauf konzentrieren wirst. Denke vorausschauend und stelle dich vorab auf eventuelle Bedürfnisse deines Kleinkindes ein. Stelle ihm beispielsweise Essen, Trinken und Spielsachen bereit oder sucht gemeinsam ein Buch aus, das du während des Stillens vorlesen kannst.

Geschwister mit einbeziehen

Dein Baby muss gewindelt werden, das ältere Geschwisterkind steht ungeduldig neben dir und drängelt dich, seine Bedürfnisse zu erfüllen. Versuche, es von Anfang an mit einzubeziehen. Es kann dir beispielsweise die Feuchttücher reichen oder die Windel in den Mülleimer werfen. Auch andersherum funktioniert es ab einem gewissen Alter. Das ältere Kind hat sich beispielsweise beim Spielen das Knie aufgeschürft. Das jüngere Geschwisterkind kann beim Trösten helfen oder ein Pflaster holen. Wenn Geschwister von Anfang an lernen, dass sie ein Team und keine Konkurrenten sind, fällt es ihnen leichter, die eigenen Bedürfnisse zurückzunehmen und sich in manchen Situationen „hinten anzustellen“.

Prioritäten setzen

Jedes Bedürfnis eines Kindes ist wichtig. Haben mehrere Kinder gleichzeitig ein Anliegen, muss man diese dennoch nach Wichtigkeit sortieren. Eine blutende Nase muss schneller versorgt werden, als eine volle Windel. Mit der Zeit lernt man, automatisch Prioritäten zu setzen. Wichtig ist auch dabei, mit den Kindern zu kommunizieren und sein Handeln zu erklären.

Hilfe annehmen

Haben mal wieder alle Kinder gleichzeitig ein Bedürfnis, ist es toll, wenn man diese aufteilen und  somit allesamt erfüllen kann. Wenn Papa, Oma, Patentante und Nachbarin mit anpacken, lässt sich alles organisieren. Wer keine Familie in der Nähe hat, sollte sich schon früh ein Netzwerk aufbauen. In Stillgruppen, Krabbelgruppen, auf dem Spielplatz und in der Nachbarschaft findet man schnell andere Eltern, die ebenfalls davon profitieren, wenn man sich gegenseitig unterstützt und in Ausnahmesituationen entlastet.

Qualitätszeiten für jedes Kind

Je mehr Kinder in einer Familie leben, desto weniger Zeit bleibt für jedes einzelne. Genau diese Zeit sollte man sich jedoch regelmäßig nehmen. Nicht nur dem Kind tut diese Zeit gut. Neulich waren meine beiden Söhne bei ihrem Vater, während meine Tochter bei mir geblieben ist. So hatten wir ein ganzes Wochenende nur für uns. Ich hatte Zeit, in Ruhe mit ihr zu reden und schöne Dinge zu unternehmen. Wir zehren beide noch lange von diesen Tagen. Gleich mehrere Tage müssen es nicht sein. Früher habe ich beispielsweise meinem ältesten Sohn jeden Abend eine Geschichte vorgelesen, während meine Tochter Exklusivzeit mit ihrem Vater hatte. Solche Zeiten sind wichtig und sollten in den Alltag eingebaut werden.

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Über die Autorin ()

Rebecca Schwab ist ausgebildete Online-Redakteurin, dreifache Mutter und Autorin von GreenFamily.de. Mit ihren Kindern und Hündin Bella lebt sie in Lübeck.

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